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Dienstag, 16. Juli 2013

"Das Venedig-Prinzip" heute ARD 22.45 Uhr - sorry, weil so kurzfristig!!!

Ups, die ganze Zeit drauf gelauert und beinahe wäre er mir jetzt entwischt. Sorry für die späte Meldung, aber ich hoffe, Sie haben es ohnehin schon dick markiert.

Heute Abend bringt ARD um 22.45 Uhr eine interessante Doku "Das Venedig-Prinzip" über Venedig, dessen Schicksal von der Belastung durch den Tourismus und insbesondere die Kreuzfahrtschiffe zur Zeit verstärkt in den Schlagzeilen landet.

"Das Venedig-Prinzip" zeigt die Schattenseiten einer melancholischen Stadt, die vieles erlebt hat. Ich freue mich schon sehr auf die gleichnamige Doku, die auf die Kinoleinwand kommt!

Mille grazie!

Montag, 15. Juli 2013

+ 65 Bedarf vorhanden - ach ehrlich?

Bin gerade auf eine aktuelle Statistik gestoßen, die besagt, dass künftig jeder dritte +65 pflegebedürftig sein wird. Also steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Europa bis zum Jahr 2060 auf 50 (fünfzig) Millionen!

Die Zahlen sind nicht neu. Auch nicht die Vorhersagen, dass das Pflegepersonal aufgestockt wird oder Personal dringend gesucht wird. Eine Prognose allerdings, die ich bislang anders erlebt habe, denn entgegen der Informationen während meiner Ausbildung zur SeniorenCreativAnimateurin & Beraterin, dass wir gewiss einen gut bezahlten und gesuchten Job finden .. äh, sorry, da muss ich etwas nicht mitbekommen haben, denn ich habe KEINEN Job gefunden. Gut bezahlt schon gar nicht, im Gegenteil sogar weniger als für den Bürojob, den ich aus privaten und gesundheitlichen Gründen aufgeben musste und gesucht - das ist wie mit der berühmten Nadel im Heuhaufen. Man muss wohl erst drauf sitzen, dass man es merkt ... oder sich ins Wespennest setzen wie ich, weil ich ahne, dass nicht jeder meine Kritik teilen wird.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch - es geht mir jetzt nicht mal in erster Linie um einen adäquaten Job, sondern um Sie. Sie alle, die meinen Blog lesen, denen ich im Alltag begegne oder im Krankenhaus, im Urlaub - egal wo. Ich bin wesentlich sensibler geworden für die ältere Generation, sehe wo es mangelt an beiden Seiten und frage mich schmerzhaft, ob es tatsächlich besser wird. Betreuung, ganzheitliche Pflege - klingt alles toll, aber wenn auch dafür kein Personal vorhanden ist oder noch schlimmer, zwar das Personal, aber nicht die Zeit .. wohin soll uns die Reise ins Alter führen?

Ein Grund, warum ich mich mehr auf meine Eigeninitiative konzentriert habe und maßgeschneiderte Angebote für Senioren biete. Noch bin ich ein kleines Rädchen, ein treibendes Pflänzchen, aber ich sehe meinen Arbeitsmittelpunkt tatsächlich in der selbständigen Betreuung und Aktivierung älterer Semester - es geht mir nicht um eine stundenweise Beschäftigung, sondern um Nachhaltigkeit. Ich will, dass SIE IHR Leben genießen, den Lebensabend auskosten können und das soweit wie möglich ohne gesundheitlich bedingte schwerere Einschränkungen.

Mein Grundstein ist gelegt für diesen Herbst - sobald es offiziell ist, werde ich Sie an meinen Aktivitäten gern auf dem Laufenden halten und danach darf es gern mehr werden. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen, nicht nur im Blog, und verlieren Sie nicht den Lebensmut. Wie heißt es so schön? Steter Tropfen höhlt den Stein ... genau das machen wir. Wir machen uns das Leben schön, soweit es in unserer Macht liegt.

Warum ich so positiv klinge? Es funktioniert, vertrauen Sie mir und probieren Sie es aus. Ich habe heute auch die ersten Verkaufszahlen meiner e-books bekommen und dachte, wow. Okay, ich bin noch keine Bestsellerautorin, aber meine Bücher fallen auf, werden gekauft und hoffentlich mit viel Genuss auch gelesen. Das ist schön und gibt mir Kraft. Und dann kam letzte Woche eine Mail einer engagierten Lektorin, die Gefallen an einem Jugendbuchmanuskript geäußert hat. Es gab ein paar Kritikpunkte und ich bot an, die Seiten nochmals zu überarbeiten. Klar, ich will diesen Vertrag, um jeden Preis, aber ihr Lob zu meiner Schreibe, der Buchidee ging mir runter wie Honig. Und das liebe ich, dass mein Schreiben anerkannt wird und wer weiß, was daraus wird?

Ich habe seit fast einem Jahr privat wie beruflich soviel umgestellt, auf den Kopf gestellt sozusagen und jetzt, wo das Jahr eigentlich rum ist, lautet mein Fazit: Weiter so, Manu! Ich habe beruflich mit dem Schreiben Chancen bekommen und teils auch schon genützt, die ich vor einem Jahr nicht mal zu denken wagte. Und jetzt das mit dem Verlag. Die Leseprobe an eine der besten Literaturagenturen Deutschlands geht auch bald raus ... und beruflich. Ich bin auch noch LIMA-Trainerin und darf das ab Herbst mit Freude und Begeisterung an Senioren weitertragen ... dann kommt noch die Ausbildung zum SChriftdolmetscher und der Biographiearbeit-Lehrgang dazu. Es ist ein spannendes Jahr gewesen, das mir zeigte, ich bin stark und durchsetzungsfähig. Ich bin begierig weiterzulernen und mich einzubringen.

Dafür sage ich auch ihnen danke, die sie alle mir hier im Blog folgen und vielleicht nicht alle Beiträge als gelungen betrachten mögen, aber - Sie gucken alle wieder! :) Und dass ich immer wieder mal stillere Phasen habe, in denen ich nicht viel blogge, tja, das liegt am Schreiben. Wenn der Flow einmal da ist ... ich muss das ausnützen, da sind so tolle Seiten entstanden ...

Ich wünsch Ihnen einen wunderschönen Abend - Prost! Auf Sie und auf mich und wir lesen uns bald wieder!

Samstag, 6. Juli 2013

bin nun offiziell QINDIE-Autorin - fein ist das!

Jetzt ist es also offiziell - wo sich Q ualität und INDIE-Autorin trifft, kommt QINDIE raus.

http://www.qindie.de/autorinnen/q-u/t/manuela-tengler/

Ich bin stolz, dass ich bei Qindie aufgenommen worden bin und freue mich auf Wertschätzung, mehr Anerkennung und vor allem Aufmerksamkeit seitens LeserInnen, BloggerInnen und natürlich neuen Kontakten zu weiteren AutorenkollegInnen.

Sonntag, 30. Juni 2013

Strandlektüre - Geschenktipp - hier die LESEPROBE meines neuen Frauenromans "Kokosnussküsse" - der ultimative Frauenroman für den Sommer, den es nicht gibt...


JETZT KANN DER SOMMER KOMMEN!

Die perfekte Strandlektüre oder als Geschenk für Reiselustige, Singles, romantische Seelen, Melancholiker, die sich nach dem Sommer sehnen ...

Hier der Link zum Taschenbuch: http://www.amazon.de/Kokosnusskuesse-Frauenroman-Manuela-Tengler/dp/1490567135/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1372599494&sr=1-3

In den nächsten Stunden sollte es "Kokosnussküsse" bereits als e-book-Download bei Amazon geben und mit etwas Geduld (meinerseits) auch bei Weltbild, Hugendubel, Donauland etc.

Hier ein kleiner Auszug aus meinem Roman. Ich wünsche viel Vergnügen beim Lesen und freue mich über Weiterempfehlung, Kommentare und was Ihnen auf der Seele brennt, dasSie mir zu meinem Buch nicht vorenthalten möchten. Danke für Ihre Unterstützung.

LESEPROBE "KOKOSNUSSKÜSSE" von Manuela Tengler


1.Kapitel
 
 
Singleurlaub? Sehe ich so aus, als suche ich ein Abenteuer?”, fragte ich mit der Süße einer überreifen Frucht und zwang mich zu einem Lächeln, das sogar Julia Roberts Konkurrenz gemacht hätte. Frau Stieglitz. Eine mondäne Erscheinung im eleganten Stiftrock und Stilettos in einer mörderischen Höhe. Unter uns gesagt, Ballerinas mögen uncool sein, aber ich konnte problemlos dem Bus nachjagen.
Gerade machte sie nicht den Eindruck, als hätte sie es überhaupt nötig, irgendetwas oder irgendjemandem nachzulaufen. Sie galt als Expertin für die Beratung einsamer Singles, als Guru der Suchenden – die ihre Seelenverwandten in der Ferne finden wollten. Sogar in den Lokalnachrichten berichteten eifrige Reporter über die ehemalige Chef-Animateurin einer Kreuzfahrtgesellschaft, die in ihre alte Heimat zurückgekehrt war und nun bei "Hannis Traumreisen" arbeitete. Für unseren kleinen Ort nahe der Lüneburger Heide war das geradezu eine Sensation. Was für eine Abwechslung von Hochzeiten, sonntäglichen Prügeleien und nervenaufreibenden Nachbarschaftsstreitigkeiten. 
Eine Frau, die wohl wusste, was Männer wollten – und was nicht. In der Art und Weise, wie sie meine heiß geliebten Jeans und die flammendrote Bluse betrachtete, war sie sich ihrer Erfahrung einmal mehr bewusst.
„Ich komme direkt von der Arbeit.“ Mensch, warum verteidigst du dich! „Können Sie mir etwas empfehlen, ohne dass ich mich dabei wie auf dem Präsentierteller fühle? Ohne Singlerabatt, gerne mit Einbettzimmerschlag, weil ich urlaubsreif bin.“
Die klare Ansage stärkte meinen schweißgebadeten Rücken. Warum fühlte ich mich dieser Frau so unterlegen? Wegen der billigen Kopie einer Pradatasche? Ging deshalb mehr hinein? Denkste.
„Unsere Klienten...“
Ich hörte weg, sah mich wie ein Truthahn zu Thanksgiving. Kaum wurde die Platte aufgetragen, verstummten alle und starrten auf den armen, zu Tode gemästeten Truthahn.
„Frau Schuster, äh, Christina – das darf ich doch sagen, Ihre Mutter und ich, wir kennen uns ja schon seit der Sandkistenzeit. Sie waren so ein süßes ... Äh, Urlaub”, schwenkte sie schnell um, als sie meine Miene bemerkte. Ich wollte nicht in den alten Kindheitserinnerungen meiner Mutter schwelgen. Ihre ständige Anwesenheit in meinem Leben war nur ein weiterer Grund, Bothel und seinen Bewohnern den Rücken zu kehren.
„Sie sagten doch, Sie würden allein verreisen. Wir haben für Alleinreisende besondere Angebote. Singlebonus und spezielle Veranstaltungen ...”, Frau Stieglitz senkte ihre Stimme etwas zu sehr, um nicht aufzufallen, „... um Männer kennen zu lernen.”
Ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen. So eine Landpomeranze war ich nun auch wieder nicht, um hier in der Umgebung keinen Mann abzubekommen.
„Eigentlich hatte ich an eine ganz simple Reise gedacht. Urlaub, nicht Sex-and-Fly!”
„Sie waren wohl schon länger nicht mehr fort, oder?”
Ich stöhnte leise. Warum musste ich ausgerechnet an die geraten? An eine Lebensberatung hatte ich eigentlich nicht gedacht, als ich das Reisebüro betrat. Außerdem hatte ich auch nicht vor, darüber nachzudenken, ob es sinnvoll gewesen war, meinen Job als Dekorateurin beim Blumenwilli zu kündigen. Obwohl – Blumenwillis Grabschereien hatten mir den Entschluss leicht gemacht. Jedenfalls fühlte ich mich zum ersten Mal seit Jahren frei und wollte mir die Sonne auf den Bauch brennen lassen.
Frau Stieglitz sah mich mitleidig an, drehte sich dann fort, schlug eine weitere Seite des Kataloges auf und tippte auf ein großformatiges Clubangebot auf Ibiza. „Der Trend setzt seit einiger Zeit voll auf die Singles. Hart arbeitende Menschen, die solo in den Urlaub fahren und mal den Alltag hinter sich lassen wollen. Etwas erleben eben.” Sie wartete, bis ich zögernd nickte.
Dann sprach sie im Tonfall der geübten Animateurin weiter: „Die meisten der Damen und Herren wollen dann eben auch Tanz, Spaß und das gewisse Abenteuer. All inklusive versteht sich.”
Ich nickte ergeben. „Liebeskummer all inklusive?”
Sie räusperte sich, dann lächelte sie. „Natürlich gibt es keine Garantien. Ich habe mich in den Kapitän verliebt, Piratenjoe hieß er. Ein Muskelpaket, braune Haut und ein Seemannsgarn hatte er drauf. Leider hat er nicht nur mich eingesponnen. War verheiratet, ein Sohn, aber ich glaube, die Frau ist vor einigen Jahren gestorben. Ich habe ihn nie wieder gesehen, aber ...” Sie seufzte.
Ich fragte mich, wie oft sie "eben" in einem Satz unterbringen könnte.
„Schon klar, aber ich will einfach nur Urlaub machen. Ohne Liebe, egal ob auf den ersten oder zweiten Blick. Ich bin seit einiger Zeit solo und gedenke es auch zu bleiben.” Warum erzählte ich das alles ausgerechnet Frau Stieglitz? Wenn es Hanni gewesen wäre, mit der ich in eine Klasse gegangen war, oder Frau Löwig am Empfangscounter, die im Kirchenchor neben meiner Mutter stand. Aber Frau Stieglitz?
„Oh, verstehe. Dann habe ich Ihre Wünsche eben tatsächlich missverstanden”, sagte sie und stand auf. „Wie wäre es mit einer Kreuzfahrt?”
Ich bekam wohl einen sehnsüchtigen Blick: ich und Leonardo am Bug der Titanic, er schwört mir ewige Liebe und ich...
„Durchschnittsalter glatte 50! Da brauchen Sie keine Angst haben, belästigt zu werden.” Sie lächelte mich scheinheilig an.
Sah ich so aus? Na okay, ich war fast Dreißig, hatte eine durchschnittliche Figur, aber intelligent und kreativ. Zugegeben, manche Männer schlug das in die Flucht, aber die anderen hatten wenigstens was zu fühlen, wenn sie mich in den Arm nahmen! Spindeldürr wie diese den Laufsteg entlang klappernden Models war ich jedenfalls nicht. Wollte ich auch nie sein, weil mich bei deren Anblick immer gleich der Hunger überkommt und ich mir ein Gummibärchen nach dem anderen reinschiebe, nicht nur damals, auch heute noch.
„Sagen Sie mal, wollen Sie mir überhaupt eine Reise verkaufen?” Vielleicht hatte meine Mutter ihre Hände im Spiel? Sie wusste, wie leicht ich unsicher wurde und Frau Stieglitz näherte sich mit ihren Angeboten gefährlich der Vielleicht-lieber-doch-nicht-Zone.
Ich war Single, na und? Ich war weder ausgehungert noch jeglicher Anbahnung zwischengeschlechtlichen Kontakts abgeneigt und hatte sicher nicht vor, mich zwischen Opas und Uropas an Deck zu rekeln. Begafft von gierigen Altmänneraugen, während mich die dazugehörigen Damen beim Dinner mit ihren Blicken durchbohrten.
Frau Stieglitz Augen leuchteten dafür plötzlich auf. In mir erwachte die Hoffnung, dass sie endlich das Richtige für mich gefunden hätte. Aber sie erhob sich mit einem extrabreiten Lächeln und begrüßte über meinen Kopf hinweg einen neuen Kunden.
„Herr Sandmann, ich habe Sie schon vermisst! Erst gestern habe ich zu mir gesagt: Herr Sandmann wird doch nicht untreu geworden sein!” Sie kicherte viel zu laut.
Ich grinste, als ich den Namen des Mannes hinter mir hörte. Sandmann, wie peinlich. Doch als ich mich umdrehte, war ich mehr als überrascht. Was hatte ein so gut aussehender Mann hier zu suchen? In diesem Provinzreisebüro? London, Paris, Los Angeles, aber hier?
Offenbar war ihm nicht entgangen, dass sein Erscheinen mehr als freudig begrüßt wurde und als könnte er meine Gedanken lesen, wandte er sich ausgesprochen freundlich an Frau Stieglitz: „Immer die große Welt ist auf die Dauer langweilig. Hier gefällt`s mir, es ist so ruhig und nett und genau das Richtige zum Erholen.”
Pff, Angeber! Was faselte er von Langeweile? Ich jedenfalls träumte davon, aus dieser ruhigen und netten Gegend wegzukommen.
„Hier, am besten, Sie nehmen sich ein paar Kataloge mit nach Hause und suchen sich in Ruhe was aus!” Mit diesen Worten zog Frau Stieglitz energisch weitere bunte Kataloge aus den Klappfächern und knallte mir den Stoß auf den Tisch. Jawohl, knallte. Vielleicht sollte ich mich darüber beschweren, überlegte ich.
Und während ich überlegte hörte ich ein wenig bei dem Gespräch mit. Genau genommen war es ein Flirt, bei dem die Post abging.
„Frau Stieglitz, wenn Sie hier nicht so unentbehrlich wären – ich würde Sie liebend gern mitnehmen. Sie wären das Model für meine Fotos!”, sagte dieser Herr Sandmann.
Frau Stieglitz lachte schon wieder so albern. „Sie sind eben unmöglich, Herr Sandmann. Sie wissen doch genau, dass ich sofort den Koffer packen würde. Mit Ihnen würde ich sogar nach Alaska fahren.”
Ich verdrehte die Augen. So ähnlich war es wohl mit Piratenjoe gelaufen. Es war ja bekannt, dass Uniformen und die blitzenden Streifen auf den Schultern die Attraktivität des jeweiligen Mannes steigerten. Ich sah Frau Stieglitz in den Armen von Piratenjoe. Er würde ihr etwas über die Sterne sagen, dass ihre Augen so funkeln, dass sogar der Polarstern verblassen musste. Wie konnte man einer derart billigen Flirterei nur Glauben schenken?  Auch wenn der Mann, aus dessen Mund diese Sprüche kamen, wirklich atemberaubend gut aussah. Das blonde Haar leuchtete, als die Sonne durch die Scheibe fiel, und sein Lachen war leise, sympathisch. Ich zwang meinen Blick wieder auf die Kataloge, bevor ich es mir anders überlegte. Er machte mich nervös.
„Das Eis würde schmelzen, Frau Stieglitz!”, sagte Herr Sandmann lächelnd.
Was für ein Schleimbolzen. Glücklicherweise klingelte gerade mein Handy, obwohl ich mich kurz bei dem Gedanken ertappte, dass ich liebend gern weiter zugehört hätte.
„Hallo! Ja, du, Lisa, ich bin im Reisebüro. – Nein, ich habe bisher nichts Passendes gefunden. Offenbar bin ich schwer vermittelbar. Ja, genau, wie beim Arbeitsamt. Danke, du baust mich doch immer wieder auf!”
Ich beendete das Gespräch und stopfte das Handy in die Tasche zurück. Hatte man Lisa, brauchte man keine Feinde mehr. Sie bot alles: Lob, Kritik, Action und Fun, aber manchmal musste man dafür auch ihre Lebensweisheiten ertragen, wie jetzt gerade.
Ihr rannten einfach zu viele Männer nach, die sie dann so schnell ablegte wie andere Frauen ihre Mäntel. Und trotzdem, ich liebte sie heiß und innig. Sie wusste alles von mir, oder doch wenigstens fast alles. Ein paar kleine Geheimnisse hatte ich in letzter Zeit selbst vor ihr, doch die würde eine Klassefrau wie Lisa ohnehin nicht verstehen. Ich sehnte mich nach Geborgenheit, Zärtlichkeit: eine Beziehung ohne Grund und Boden, und doch so real, wie es nur ging. Aber nach dem letzten, so misslungenen Versuch fragte ich mich, ob es falsch war, Gefühle auszusprechen. Darum saß ich ja auch in "Hannis Traumreisen". Um aus dem Alltag auszubrechen, mir in diesen sieben Tagen über mein weiteres Leben Gedanken zu machen und möglichst erholt und braun gebrannt zurückzukommen. Quasi, als neue Christina, und die würde dann durchstarten, was immer die Beraterin im Arbeitsamt dachte.
Gerade jetzt saß die alte Christina – ich - allerdings erst einmal leicht verbittert mit einer Tasse Kaffee vor einem Stoß Reisekataloge. Lachende Gesichter strahlten mir entgegen, Sonne und Meer, in gelb und rot, blau wie das Meer. Türkis, korrigierte ich mich.
Ein Katalog leuchtete viel versprechend inmitten der Hochglanzbildchen. Malediven. Ich war wohl wirklich urlaubsreif, denn ich glaubte, das Rauschen der Palmen und der Brandung zu hören.
Gerade wollte ich das Heft herausziehen, als der ganze Stoß ins Rutschen geriet und sich die Hälfte der Kataloge auf dem Boden verteilte.
Frau Stieglitz war sichtlich verärgert über diese Störung und schob mir eine Plastiktüte über den Tresen. Dafür ging Herr Sandmann neben mir in die Hocke und griff nach zwei Katalogen. „Malediven? Tauchen Sie?”, fragte er mich.
Mann, sah der gut aus! Ich gab Leonardo einen Schubs, dass er über die Reling der Titanic flog, um Herrn Sandmann Platz zu verschaffen. Normalerweise fing ich nicht so schnell Feuer -, aber der Mann beflügelte meine Fantasie wie niemand zuvor.
„Tauchen Sie?”, wiederholte er lächelnd seine Frage. Ich wollte, ich wär‘ ein Fisch und Herr Sandmann der Hai.
„Die Malediven sind ein Paradies für Taucher und Fotografen, und glauben Sie mir, ich habe schon viel gesehen!”
Ich sah in diese Augen, gegen die das Blau der Kataloge verblasste, ein richtiges Grönland-Blau, und ich schmolz dahin. In diesem Augenblick hätte ich ihm alles geglaubt.
„Ja, Herr Sandmann ist Fotograf, einer der besten in Deutschland”, beeilte sich Frau Stieglitz zu berichten.
„Fotografie hat mich schon immer interessiert”, sagte ich und ignorierte den giftigen Blick von Frau Stieglitz. „Was fotografieren Sie?”
„Am liebsten schöne Frauen wie Sie auf den Malediven!” Herr Sandmann richtete seine imaginäre Kamera auf mich.
Geschmeichelt wandte ich mich ab. „Ich kann nicht tauchen. Leider, so sehr ich es mir wünsche, mal einen Rochen zu fotografieren.”
Frau Stieglitz fand Herrn Sandmanns Interesse an mir wohl ärgerlich, jedenfalls deutete sie auf meine Kataloge. „Sie sollten es sich eben in Ruhe zu Hause überlegen. Die Dame ist Single, verstehen Sie, aber nicht interessiert!” Damit schob sie Herrn Sandmann sanft, aber bestimmt von mir weg und bat ihn, Platz zu nehmen.
Ich räusperte mich. „Wie ich schon sagte, bin ich nicht an Sex-Tourismus auf Tobago interessiert, Frau Stieglitz. Wären Sie so freundlich, mir einige Prospekte für Individualreisen zusammenzustellen?”, konterte ich. „Ich glaube nämlich nicht an die Liebe auf den ersten Blick, wie in diesen Heftchen."
Frau Stieglitz lief rot an, warf einen sehnsüchtigen Blick auf die Buchungsunterlagen von Herrn Sandmann und wandte sich wieder der Regalwand zu.
Herr Sandmann lächelte amüsiert. „Muss es unbedingt Liebe sein? Darf man nicht einfach Spaß haben?”
Ein Schauer lief über meinen Rücken. „Ich weiß nicht. Früher, als Teenie, da habe ich an die Liebe geglaubt ...”
„Aber Sie sind erwachsen geworden und jetzt wirklich urlaubsreif”, stellte Herr Sandmann fest und wandte sich dann mit seinem sanften Lächeln wieder Frau Stieglitz zu, die mit ihrem Kugelschreiber auf die Tastatur klopfte. „Liebste Frau Stieglitz, was schenken Sie mir diesmal? Die Sterne von Mykonos, Muscheln von den Seychellen oder ...”
„Kokosnüsse auf Barbados!”, sagte Frau Stieglitz.
„Piraten vor Madeira!”, rutschte es mir heraus.
„Bingo! Das ist es! Meine Models in der Hand von grimmigen Piraten. Madeira – die Blumeninsel. Kompliment, eine klasse Idee!”, sagte Herr Sandmann und sah mich eindringlich an. „Sind Sie aus der Branche?”
„Madeira hat keine Piraten”, wandte Frau Stieglitz ein, doch sie fand kein Gehör.
„Und Ihr Piratenjoe – kletterte er allein auf dem Boot herum?”
Herr Sandmann wandte sich ruckartig an Frau Stieglitz. „Piratenjoe?”
Frau Stieglitz schüttelte den Kopf. „Nichts, Frau Schuster ist wohl wirklich urlaubsreif.”
Herr Sandmann runzelte nachdenklich die Stirn, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf mich; und ich griff in meine Fantasiekiste, über die sich Lisa immer lustig machte.
„Stellen Sie sich vor: Perlen und Gold in einer Kiste, die Models ziehen sich aus, behängen sich mit dem Schmuck – dann kommen die Piraten, knackig braun, muskulös, dass die Damenherzen schmelzen und entführen die Maiden auf ihr Piratenschiff. An Deck die Bademodenaufnahmen.” Ich genoss, wie Herr Sandmann an meinen Lippen hing.
„Und dann ... der Oberpirat Mc Ginty.” Oder Mc Sandmann, aber das konnte ich gerade rechtzeitig hinunterschlucken.
Ich sah ihn noch immer als Pirat vor mir und mich in einer weißen Bluse, einen langen weiten Rock, der von der Meeresbrise aufgebauscht wird ...
„Frau Schuster. Das ist ja sehr nett, aber ich habe die ganze Welt gesehen und Herr Sandmann vertraut meiner Erfahrung. Sicher findet sich etwas Passendes für ihn. Danke.”
„Waren Sie schon mal in Grönland, Frau Stieglitz?” Ich sah sie erwartungsvoll an.
„Äh, nein, bei den Eskimos ist es mir zu kalt. Aber Island könnte ich empfehlen. Die heißen Quellen dort, die Geysire, eben ein Traum sage ich Ihnen.”
„Eskimo! Das dürfen Sie nicht laut sagen. Inuit wollen sie eben genannt werden!”, sagte ich augenzwinkernd und betonte ihr Lieblingswort laut genug, damit es jeder hören konnte.
Herr Sandmann verstand und schmunzelte. „Nein, nein, ist schon in Ordnung. Piraten sind ohnehin sehr trendy dieses Jahr", seine Stimme hatte den Ton gewechselt, der Charmeur verwandelte sich binnen einer Sekunde in den interessierten Profi.
„In welcher Branche arbeiten Sie?”
„Derzeit bin ich young, free and single! Ich meine, ich war Dekorateurin, doch seit zwei Tagen bin ich sozusagen freiberuflich.”
„Blumenwilli – Willi meinte, Sie wären unpünktlich gewesen und Ihre Vorliebe für ausgefallene Dekorationen war unpassend”, warf Frau Stieglitz ein.
„Wollen Sie mitfliegen?  Ich meine, Sie kennen Madeira, oder? Da wären Sie eine große Hilfe. Wenn alles klappt, könnten wir in zwei, drei Wochen die Produktion starten. Sie interessieren sich doch für Fotografie!”
Ich starrte ihn ungläubig an. „Sie nehmen mich auf den Arm!”
„Gerne!”
„Ich wollte eigentlich auf die Malediven.”
Frau Stieglitz sah mich entgeistert an. „Sie wollten doch gar nicht wirklich weg. Herr Sandmann arbeitet dort. Sie wollten sich erholen.”
„Meine Assistentin ist heute Morgen abgesprungen. Sie wären die Rettung. Sie haben die Erfahrung, sind kreativ und ungebunden!” Herr Sandmann zögerte nicht lange. „Hier, meine Visitenkarte, Madeira oder Malediven, es ist mir egal, wenn Sie mitkommen und das umsetzen, was Sie mir gerade vorgeschwärmt haben. Ich erkenne ein funktionierendes Setting auf den ersten Blick.”
Wie im Traum stand ich auf, nahm meine Tüte mit den Katalogen und verließ das Reisebüro.
„Schöne Grüße an Anqelique”, rief mir Frau Stieglitz nach. Oh Gott, meine Mutter hatte ich vergessen. Wie lange würde es dauern, bis sich mein Erlebnis durch die örtliche Telefonkette bis zu ihr klingelte.
„Rufen Sie mich an!”, rief mir Herr Sandmann nach.
„Habe ich meinen Traumjob gefunden?”, murmelte ich und merkte nicht mal, dass es inzwischen zu regnen begonnen hatte.


 


 

Seit ihrer Jugend ist das Schreiben ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Sie liebt das Reisen und Recherchieren vor Ort, um ihrer Geschichte und den Figuren möglichst nahe zu kommen. Neben ihrer Leidenschaft für historische Romane füllen vor allem Jugendromane und Fantasy ihren Kopf und auch ihre Bücherregale. Gibt es Schöneres als sich offenen Herzens einer fremden und entdeckungswerten Welt anzuvertrauen.

 

 

 


 

Autorenblog: http://manuela-tengler.blogspot.co.at/

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Freitag, 28. Juni 2013

Traumurlaub contra Demenz - Teil 2

Frau Scholz-Giurco möchte mit ihren Präventionsseminaren die Chance bereiten, Demenz hinauszuzögern. Wie Studien besagen, soll die Kombination Bewegung/Sport, Gedächtnistraining, mediterrane Ernährung und soziale Kontakte Demenz bis fünf Jahre hinauszögern.

Auch meine angebotenen L I M A (Lebensqualität im Alter ) – Stundenangebote, die ja auf Studien der Universität Erlangen und langjährigen Forschungen mit verschiedenen Teilnehmern beruhen, knüpft an diese Säulen. Mit Ausnahme von der Ernährung, die zwar immer wieder ein Schwerpunkt in den Stundenthemen ist, aber natürlich abhängig von der Umsetzung jedes einzelnen ist im Alltag. Abgesehen von Demenz ist es für ein „gesundes Altern“ generell wichtig, auf seinen Lebensstil zu achten. Mehr denn je im fortgeschrittenen Alter. Ich mag nicht behaupten, mit meinem L I M A – Programm Demenz hinauszuzögern, denn ich stelle es mir schlimm vor, wenn jemand binnen dieser fünf Jahre dann doch erste Symptome von Demenz aufzeigen könnte und mich dafür verantwortlich macht. Diesen Standpunkt mag ich als heikel betrachten, aber die Initiative mit den Präventionsseminaren halte ich insofern für wichtig als dass man dem aktuell in sämtlichen Medien herumgeisterndem Damoklesschwert Demenz gleich den Schrecken nimmt. Wichtig sind aufmerksame, liebevolle und verantwortungsbewusste Familienangehörige, aber auch Nachbarn – bilden Sie Ihre persönlichen Netzwerke und profitieren Sie gegenseitig von der Aufmerksamkeit anderer. Sollten Sie meinen, Anzeichen von Demenz bei sich zu erkennen, zögern Sie nicht, mit Ihrem Vertrauensarzt darüber zu sprechen. Nur er kann mit fundierten Fragen und ersten Tests den Verdacht bestätigen.
Aber, wir gehen davon aus, dass Sie ACHTSAM mit sich selbst umgehen und nicht an Demenz erkranken. Dennoch, Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, sagte meine Großmutter, aber – Hand aufs Herz: Lassen Sie Ihr schönes Meißener Porzellan deshalb bis ans Ende aller Tage im Schrank, weil es mal sein KÖNNTE, dass eine Tasse zu Bruch geht? Eben! Und wir denken positiv, jawohl. In diesem Sinne – surfen Sie mal online nach Portugal und wenn Sie die Reise contra Demenz antreten, freue ich mich über eine Ansichtskarte und wie es Ihnen während des Präventionsseminars gegangen ist. Und natürlich, schwärmen Sie von der traumhaften Kulisse der portugiesischen Küste … seufz.

Alles Liebe!

Traumurlaub auf Portugal contra Demenz Teil 1


Was ich immer predige: Bewegung, Ernährung, Gedächtnistraining u.v.m. – die Basics, um möglicherweise das Risiko an Demenz zu erkranken, zu reduzieren. Wenn man nicht im Alltag Zeit findet, sich diesen wichtigen Säulen der eigenen Gesundheit zu widmen, gönnt man sich mal eine besondere Art von Urlaub.

Auf der Homepage : http://www.contra-demenz.com/ von Loretta Scholz-Giurco fand ich ein interessantes Kombinationsangebot. Und ich darf Sie ausnahmsweise auf diese Homepage verweisen für nähere Informationen. Als ausgebildete Lebensqualität im Alter –Seniorentrainerin weiß ich, dass Prävention möglich ist, aber es gibt keine Garantie, nicht an Demenz zu erkranken. Da die Erkrankungen aber zunehmen, was teils an unserem veränderten Lebens- und Ernährungsstil liegt, ist es doch eine gute Gelegenheit, über diese Fragen an einem Ort nachzudenken, wo man die Seele baumeln lassen kann und offener für Fragen des Lebens und der Gesundheit ist, weil man einfach Zeit und Muse hat, Gedanken „fertigzudenken“.

 

Tablettendschungel ... Teil 2

Keine Sorge, die Pharmaindustrie wird nicht Verlust schreiben, wenn Sie statt sieben nur noch sechs Tabletten am Tag benötigen. Es ist ein wahrer Dschungel da draußen. Von hartnäckigen Pharmavertretern, die den Arztbesuch unnötig verlängern, weil sie meist unangemeldet vorbeischneien, abgesehen, ist das Angebot mittlerweile tatsächlich beinahe unübersichtlich. Die großen Riesen kämpfen um einen riesengroßen Markt und seit Indien seine Generetikaerzeugung durchgesetzt haben, sind die Messer nicht nur blank gewetzt, sondern offen gelegt… scheint mir zumindest. Ich habe mich mal für die Ausbildung zum Pharmareferenten informiert – ein sehr interessantes Berufsfeld, aber irgendwann dachte ich, nee, ich habe schon eine Abneigung gegen Versicherungsvertreter – mein Wunsch, den Menschen zu helfen, erfülle ich mir lieber als Seniorentrainerin und später zusätzlich als Schriftdolmetscherin. Da kann ich wirklich unmittelbar Gutes tun, ein Lächeln und Zusprache verschenken, ohne im Hinterkopf den Druck des Konzern und schrumpfende Absatzzahlen berücksichtigen zu müssen.

Manchmal bekommt man ohnehin zu schnell ein Medikament verschrieben und ich will gar nicht wissen, ob nicht in Heimen oder ähnlichen Einrichtungen gerne „beruhigende“ Mittel verabreicht werden – allein die Vorstellung, vorsätzlich „still gehalten“ zu werden, um den stressigen Tagesablauf nicht zu stören, finde ich schlimm.

Also, lieber mal mit dem Arzt sprechen – und, klar, der wird auch sagen, wie wichtig Bewegung, Ernährung, Flüssigkeitsaufnahme und Geselligkeit für unser geistiges und körperliches Wohlbefinden ist. Genau – Sie erinnern sich an meine letzten Blogbeiträge und nicken heftig, greifen hoffentlich bereits zum Wasserglas, das griffbereit steht. J In diesem Sinne wünsche ich alles Gute und selbst wenn wir nur ein buntes Tablettchen losgeworden sind, ist das ein kleiner Sieg in die persönliche Freiheit und Achtsamkeit auf unser Leben.

Alles Liebe und man liest sich bald wieder!